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TEEZEREMONIE – Ein Einblick in den Teeweg CHA-DÔ

Ende Juni 2021 fand das erste Mal seit Beginn des Lockdowns Anfang November 2020 in der Tenri Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt eine Teezeremonie unter Leitung von Teemeisterin Sôetsu MUKAI der Urasenke-Schule statt.

Zu Beginn wurden der Ablauf der Teezeremonie in Konstellation Gastgeber-Gast vorgeführt und einige geschichtliche Informationen vermittelt. Daher ist der Teezeremonie Kurs auch hervorragend für Anfänger geeignet, die einen ersten Eindruck gewinnen wollen. Im Anschluss konnten die Teilnehmer den MATCHA selbst ausprobieren zuzubereiten und die Falttechnik des seidenen Teetuches FUKUSA (袱紗) erlernen. Die Atmosphäre war sehr entspannend und angenehm; eine Art Meditation, würde ich sagen. In Japan wird die traditionelle Teezeremonie nämlich als Lebensart verstanden: Wörtlich heißt es CHADÔ = Teeweg und wird daher als geistiger und ästhetischer Schulungsweg („dô“) definiert.    

Schon das Arrangement des Zimmers als Nachbildung eines Raumes in einem traditionellen Teehaus erzeugt eine authentische Atmosphäre: Es setzt sich aus einer speziell für den Kurs aufgebauten Holzbühne mit Bambusstäben als Umbau und Tatami-Matten, auf denen man in Japan traditionellerweise kniet, zusammen. Auf der Bühne wurde in einer kleinen Nische (TOKONOMA 床の間) ein saisonales Blumenarrangement mit einer darüber aufgehängten Kalligraphierolle plaziert. Frau Sôetsu MUKAI trägt einen Kimono mit Blumenbemalung. 

Hier wird deutlich, dass uns die Teezeremonie Einblick in ein Stück Lebensphilosophie Japans geben kann: Spirituelle Werte und Fokus auf harmonischer Atmosphäre, ästhetische Werte, kulturelle Konventionen und Naturverbundenheit.

Meisterin Sôetsu MUKAI der URASENKE-Schule und ihre Assistentin erklärten alles detailliert und waren offen für Fragen. Die Zeremonie ist durch einen festgelegten Handlungsablauf bestimmt: Es geht nicht nur um das bloße Teezubereiten – das sich durch die Benutzung des Matchapulvers, von dem Teekochen, wie wir es normalerweise von Zuhause gewohnt sind, unterscheidet – sondern vielmehr spiegelt sich auch ein respektvolles und harmonisches Miteinander im Handlungsablauf wieder.

Um die Kunst der Teezeremonie, sagen wir mal ansatzweise „perfekt“ zu beherrschen, dauert es jedoch viele Jahre. Es reicht allerdings schon, sich einfach auf die Eindrücke einzulassen und sich nicht zu scheuen, Fehler zu machen, auch wenn man zunächst verunsichert sein mag. Das gilt auch dann, wenn es heißt sich über die Sprachbarriere hinweg zu trauen und ein paar für die Zeremonie notwendigen Begriffe und Sätze auf Japanisch mitzusprechen, wie beispielsweise: „O-temae chodai itashimasu“ (お点前ちょうだいいたします) – Herzlichen Dank für den Tee; „Osaki-ni“ (おさきに) -Entschuldigung, dass ich im Voraus trinke).

Im Ablauf erkennt man viele detaillierte Schritte mit ihrer jeweils eigenen Bedeutung. Zu Beginn wird die Teeschale symbolisch mit sauberem Wasser, das mit einer Bambuskelle aus einem Steinkessel entnommen wurde, gereinigt. Auch die anderen Utensilien werden symbolisch mit einem speziellen Tuch, dessen spezifische Faltweise und Handhabung vorgegeben ist, symbolisch gesäubert. Saisonale Süßigkeiten WAGASHI (和菓子) werden vor dem Tee gekostet. Die Matcha-Zubereitungen an sich, unterscheiden sich in ihrer Intensität und Bitterkeit des Grüntees voneinander: Hier kann jeder selbst testen, was ihm oder ihr am besten schmeckt.

Der Weg ist das Ziel: Das wird in diesem Kurs besonders deutlich. Aus dem Japanischen übersetzt heißt es nämlich nicht „Teezeremonie“, sondern „Teeweg“ (chadô , cha = Tee, dô= Weg) und hat mit wa-kei-sei-jaku (=Harmonie-Respekt-Reinheit-Stille) sogar eigene Leitsätze. Zudem kann das Prinzip des OMOTENASHI (おもてなし) – Japans fest verankerte Kultur von immenser Gastfreundlichkeit, welche ihren Ursprung in der traditionellen Teezeremonie hat – direkt erfahren werden. Die Teezeremonie bietet Entspannung vom Alltag und die Möglichkeit zur inneren Einkehr. Deshalb wird der Tee auch in stiller Atmosphäre anstatt im geselligen Austausch miteinander getrunken – was nicht heißt, dass überhaupt kein kommunikativer Austausch stattfindet, doch im Vordergrund liegt Harmonie, Respekt, Reinheit (im körperlichen wie geistigen Sinne) und die (innere, geistige) Stille.

Auch aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl pro Kurs (meist beschränkt es sich auf zwei Personen, oder als Vorführung mit kleinem Publikum) ist es besonders für Anfänger eine wirklich schöne Erfahrung, die ich jedem nur ans Herz legen kann!

Manuela Grati