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Johannes Justus Rein (1835–1918)

Foto Johannes-Justus-Rein

| Vortrag von Karl-Heinz Meid |

Fr., 20.03.2015 | 19:00 Uhr |

Johannes Justus Rein (1835–1918) – Vom Volksschullehrer zum Stammvater der Japanwissenschaft |

Karl-Heinz Meid hält einen Vortrag über Johannes Justus Rein, der im Auftrag des preußischen Handelsministeriums zwischen 1873 und 1875 mehr als zwei Drittel der modernen Präfekturen Japans bereiste. Nach seiner Rückkehr wurde er auf den ersten Lehrstuhl für Geographie an die Universität Marburg und später als Nachfolger von Ferdinand von Richthofen an die Universität Bonn berufen. Sein zweibändiges Werk Japan nach Reisen und Studien im Auftrage der Königlich Preussischen Regierung dargestellt (1881, 1886) zählt zu den bedeutenden Zeitzeugnissen für das Japan der Meiji-Zeit (1868-1912), das sich nach seiner Öffnung gegenüber dem Westen im Umbruch befand.

Johannes Justus Rein

Im Jahr 1872 schrieb der Ministerresident des Deutschen Reiches in Japan, Max von Brandt, an das Handelsministerium in Berlin, in dem er die Entsendung von qualifizierten Experten nach Japan nahe legte, um japanische Techniken in Industrie und Handwerk auch für die deutsche Industrie nutzbar zu machen. Auf einer Reise durch das Land hatte er einen sehr positiven Eindruck gewonnen: „Was viele dieser Erzeugnisse anbetrifft, so steht die japanische Industrie unbedingt über der unseres Vaterlandes“ heißt es in einem Bericht nach Berlin. Die Frankfurter Handelskammer empfahl Dr. Johannes Justus Rein, der an der Musterschule, einem renommierten Realgymnasium, Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtete. ln der Begründung hieß es: „Er verfüge über umfassende naturwissenschaftliche, gute Englischkenntnisse und große Erfahrungen auf Forschungsreisen. Neben seiner hervorragenden wissenschaftlichen Befähigung und einem durchaus redlichen Streben sei er von energischer Willenskraft beseelt.“.

Vom Dezember 1873 bis September 1875 hielt sich Rein in Japan auf und bereiste, begleitet von japanischen Regierungsbeamten, Dolmetscher und Diener per Bahn, mit dem Schiff, auf dem Pferderücken, im Tragsessel und oft zu Fuß, 35 von 47 Präfekturen. Neben seiner Wohnung in der Deutschen Delegation richtete er ein Laboratorium ein, in dem er besonders intensive Untersuchungen über japanischen Lack anstellte.

Seine Berichte und die Sammlungen, die er nach Berlin sandte, fanden großes Lob im Handelsministerium. Sein Ankaufsetat für Beispiele japanischer Handwerks- und Industrieprodukte wurde daraufhin vervielfacht.

ln Japan erfuhr er, dass seine Bewerbung auf eine Professur in Straßburg abgelehnt wurde. Berlin bot ihm nach seiner Rückkehr eine Geheimratsteile im Ministerium oder einen Lehrstuhl an den Universitäten Kiel oder Marburg an. Er entschied sich für Marburg.

Sieben Jahre bis 1883 wirkte er dort als erster Ordinarius für Geographie. Sechs Jahre nach seiner Rückkehr aus Japan veröffentlichte er den ersten Band über sein Forschungsobjekt unter dem Titel: „Japan nach Reisen und Studien im Auftrag der Königlich Preussischen Regierung. Bd. I. Natur und Volk des Mikadoreiches“. Es wurde 1884 ins Englische übersetzt. Weitere fünf Jahre dauerte es bis der zweite Band: „Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Handel“ erschien, der 1889 auch ins Englische übersetzt wurde. Seide Bände erschienen 1905 in einer zweiten, neubearbeiteten Auflage.

Der Erfolg seiner Publikation war so groß, dass Rein in einer Reihe mit Engelbert Kämpfer und Philipp Franz von Siebald genannt wird. Im Jahr 1883 wurde Rein als Nachfolger des ersten Banner Ordinarius für Geographie, Ferdinand von Richthofen, an die Universität Bonn berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 191 0 wirkte. Rein starb 1918 und ist auf dem Kessenischer Bergfriedhof beerdigt.

2006 wurde in der Reihe Monographien aus dem Deutschen Institut für Japanstudien eine Monographie mit dem Titel Johannes Justus Rein. Briefe eines deutschen Geographen aus Japan 1873-1875 veröffentlicht.

Karl-Heinz Meid

Studium der Betriebswirtschaft und Sozialpolitik an der Universität zu Köln. Nach der Diplomprüfung 1967-68 Austauschstipendiat an der Sophia-Universität, Tokyo. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Direktionsassistent in einem mittelständischen Industriebetrieb, von 1973-1999 im Deutsch-Japanischen Wirtschaftsf.rderungsbüro in Düsseldorf seit 1978 als stellv. Geschäftsführer tätig. Häufige Japanbesuche als Tutor bzw. Fachberater von Fachstudien bzw. Politikerreisen. Seit 1970 ehrenamtlicher Geschäftsführer und seit 2006 auch Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Köln e.V.